Der geschrumpfte Aralsee

In den Bewässerungsprojekten und den früheren Uferzonen findet eine fortschreitende Versalzung statt. Winderosion bewirkt den zusätzlichen Salztransport landeinwärts. Gleichzeitig hat sich der Salzgehalt des Seewassers durch die Austrocknung erhöht. Boden und Gewässer sind zusätzlich durch Schwermetalle und Pestizide belastet. Vom „Tugai“, den ehemals weit verbreiteten Auenwäldern, sind nur noch Überreste verblieben. Das alles hat direkte und indirekte Auswirkungen auf das Klima, die Pflanzen– und Tierwelt der Region.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam in der Sowjetunion der Beschluß, die Baumwollproduktion in der Aral- Senke auszuweiten und die beiden Zuflüsse des Aralsees Amu Dar`ja und Syr Dar`ja zur Bewässerung zu nutzen. Regen fällt in den Ebenen fast nicht, höchstens zehn Zentimeter im Jahr. Mehr als das Zehnfache verdunstet im Sommer bei heißen Temperaturen und starken Winden. Das Schmelzwasser, das beispielsweise der Amu Dar`ja über hunderte Kilometer aus den Hochgebirgen des Pamir, Tienschan und Hindukusch heranbringt ist die einzige Quelle zur Bewässerung der Baumwollfelder Usbekistans. Und die Baumwolle hat als Einnahmequelle für ein Drittel des gesamten Landeshaushalts eben Vorrang. Über vier Millionen Hektar müssen heute dafür bewässert werden. In trocknen Jahren reicht das Wasser nur für die Baumwollfelder.

Die Feuchtgebiete des Amu Dar`ja haben jedoch  lebenswichtige Funktionen für die Menschen: Fisch ist Nahrung und Einkommensquelle, Schilf dient zum Bauen und als Futter, Holz ist Baumaterial und Heizstoff. Also sollte auch Wasser ins Delta fließen. Doch immer wieder kollidieren die Interessen der Bewässerungsprojekte des Oberlaufs mit den Wassernutzern am Unterlauf. Und Lösungsstrategien existieren nicht und werden nicht voran getrieben.

Der Klimawandel wird die Konflikte noch verschärfen, denn das Wasser des Amu Dar`ja`s stammt aus Gletschern. Und wenn diese laut Prognosen bis zum Jahr 2050 bei einer um ca. drei Grad höheren Durchschnittstemperatur schmelzen, geht die Wassermenge des Flusses um etwa 15 Prozent zurück. Viel Wasser versickert zudem noch ungenutzt oder aus maroden Leitungen.

Der gegenwärtigen Austrocknungsphase des Aralsees sind in der Geschichte bereits mehrere vorausgegangen, beispielsweise im vierten und 16. Jahrhundert. Dies haben Wissenschaftler in paläoökologischen Untersuchungen in der Aralsenke ermittelt. Die Untersuchungen fanden in einem von der UNESCO gesteuerten und vom Bundesforschungsministerium geförderten gemeinsamen Forschungsprojekt von Usbekistan, Kasachstan und Rußland statt.

Nur wenn es gelingt, Strategien für ein flexibles Wassermanagement in der Aralsenke und modellhafte Rekultivierungsmaßnahmen zu entwickeln, läßt sich die Region wieder beleben. Das könnte auch dann neue Möglichkeiten eröffnen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

zurück

zurück