Eine Menora von Ikea

Jugendliche drehten Kurzfilme gegen Antisemitismus in ver.di Jugendbildungsstätte

Ein komischer Vogel, urteilt ein Besucher im fiktiven Zoo. "Die Art ist kurzsichtig, fühlt sich in ihrer Umgebung sehr sicher, ein besonderes Exemplar der Philosemitin", erklärt die Führerin "Ihr sind ihre positiven Vorurteile gegenüber Juden nicht bewusst und sie ist nicht in der Lage, Individuen wahrzunehmen, unterteilt stattdessen in Völker der netten und weniger netten Art" , erklärt Inge Nährig (22), die fiktive Zooführerin und künftige Erzieherin. Oliver Schönauer (22), ebenfalls künftiger Erzieher und ein Mitmacher des Clips ergänzt: "In unserem Film geht es um `modernen` Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz."

 "Unser deutscher Zoo" über Antisemitismus wurde zum Abschluss des Modellprojekts "Film ab" im Berliner ver.di - Haus gezeigt und erhielt symbolisch die "Goldene Kamera" für den 1. Platz.  In neun Filmen ging es um moderne Arten des Antisemitismus, um Verdrängung, Täter-Opfer-Umkehr und Geschichtsrevisionismus aber auch allgemein um Diskriminierung, Ausgrenzung, Sexismus. Alle Clips setzten sich kreativ aber unterschiedlich mit den Themen auseinander -  vom Quiz, über Reportagen und kleine Spielfilme bis zur Soap.

"In 20 Seminaren wurden mit 400 Jugendlichen während des dreijährigen Modellprojekts 40 Kurzfilme produziert", erläutert Projektleiterin Tatjana Volpert (42). "Zusätzlich wurden knapp 100 Lehrer und Sozialpädagogen als Multiplikatoren geschult und gemeinsam Methoden für die pädagogische Arbeit entwickelt."  Das Format Film diente als "Lockmittel" für die Jugendlichen, so die Diplompädagogin. Fünf Tage arbeiteten die Jugendlichen in der ver.di- Jugendbildungsstätte Konradshöhe in Berlin. In Seminaren wurde diskutiert, ein Konzept entwickelt, ein Tag gedreht und am 5.Tag der Film vorgestellt. Die Jugendlichen kamen bundesweit aus Schulen, Jugendclubs oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr.

 "Der sekundäre Antisemitismus speist sich aus unterschiedlichen Quellen, aber man kann mit den Jugendlichen darüber reden", sagt Tatjana Volpert. Die Schließung eines koscheren Ladens in Berlin-Reinickendorf  zum Beispiel gab den Anstoß für die Soap "Mitten im Leben", die `Menora von Ikea` war dabei Stein des Anstoßes unter Freunden. Lea Gosen (19) und Roxana Spindler (20) nahmen die Urkunde für einen 3. Platz entgegen.

Mit  300.000 Euro wurde das Projekt vom  Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, die Kofinanzierung von 50 Prozent übernahmen Berliner und Brandenburger Landeseinrichtungen sowie Stiftungen. Das Projekt wurde vom unabhängigen Zertifizierungsinstitut Phineo ausgezeichnet.

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