„Fremde und Vertraute“

Man reist in ein fremdes Land, will das Eigene hinter sich lassen, sich davon erholen und begegnet ihm in anderer, fremder Kulisse aber immer wieder.

Dieses Thema - umrahmt mit  Musik von Eric Satie, moderiert von Dorle Gelbhaar - griffen fünf Autoren auf unterschiedlichste Weise auf: Aus der Sicht des Sohnes Leonhard Kossuth, der seiner Familien- Saga nachspürt und nach 80 Jahren das Tagebuch seiner früh verstorbenen russischen Mutter veröffentlicht. Miriam Eberhard interpretiert eindrucksvoll, weil schauspielerisch geschult, das Überleben einer Großfamilie  in einem jüdischen Dorf im Ländle während der Nazizeit und nach Kriegsende. Das Buch wurde jüngst hoch gelobt, wenn auch der baden – württembergische Dialekt dem Berliner gedankliche Arbeit abverlangt. Jutta Rosenkranz liest eine heitere Geschichte über Satie, nach der man am liebsten gleich in das Satie-Museum aufbrechen möchte  und Tilo Ballien hat für diesen Abend extra eine Geschichte über Nikaragua, wohin er vielfältige, helfende Kontakte pflegt, geschrieben.

Zwischen den bunten Buchrücken der Kinderbibliothek in der Pankower Stadtbibliothek fällt die wallend schwarz gekleidete, blasse Monika Nardon besonders auf. Wo gehör ich hin? fragt Sie im ersten Gedicht. Auf der Suche nach „der Luft zum Atmen“ ist Sie durch die Welt gereist, hat viel Missgunst und Verrat erfahren, ist Muslimin geworden. Ihre Gedichte über Kinder berühren und erschüttern direkt - bis ins tiefe Innere: „Kriegskinder – tote Kinder, Fliegen verlassen die offene Wunde, Ameisen kriechen aus offenen Augen…. Offene Münder. Erlöst uns, denn wir werden täglich mehr.!“

Türen öffnen oder schließen

Ich verwandle mich, also bin ich! Verwandlungen – können ängstigen oder neue Türen öffnen, wie in der Geschichte von Gunnar Kunz vom „Blauen Montag“: Quentin kam aus irgendeinem Land weiter im Osten ins Dorf. Zuerst färbten sich an einem Montag seine Fingerspitzen blau. Die blaue Farbe stieg in Streifen den Hals hoch, färbte das Gesicht und schließlich den ganzen Körper. Das griff weiter um sich – zunächst Jochen, dann Friedericke, Ninon und… Eine östliche Krankheit? Nach 14 Tagen wurde auf der Krisensitzung im „Ochsenkrug“ das Dorf durch eine Quarantänegrenze in zwei Hälften geteilt und nachts Streife gelaufen. Nach drei Wochen färbten sich meine Fingerspitzen blau. Ich musste hinter die Quarantänegrenze. War das Blau vielleicht Ausdruck eines inneren Adels? Nach fünf Wochen stürmten wir los, eroberten das Dorf zurück. Das ganze Dorf war blau. An einem Montag färbten sich Veras Fingerspitzen weiß….

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