Übermorgen fange ich an...

... mit  einem neuen Buch / ver.di-Literaturpreis 2013 für Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck wollte ursprünglich ans Theater. Die 1967 in Berlin Geborene studierte Theaterwissenschaft und Opernregie in Berlin. Auf zahlreiche Inszenierungen in Graz, wo sie fünf Jahre lebte, in Linz und Aachen, Nürnberg, Potsdam und Berlin blickt sie inzwischen zurück. Vor rund 15 Jahren erst begann Jenny Erpenbeck zu schreiben, gewann 2001 den Preis der Jury beim Klagenfurter Bachmann Wettbewerb und 2004 den Literaturförderpreis der GEDOK - eine Vereinigung von Künstlerinnen in Brandenburg. Danach gab es etliche Jahre keinen Literaturpreis, obwohl sie oft knapp daran vorbei ging. Erst jüngst erhielt sie Preise deren Namensgeber Fallada, Breitbach oder Doderer sind und immer war für sie so ein Preis die beste Gelegenheit, den namensgebenden Autor wieder zu lesen oder neu zu entdecken. Inzwischen ist diese ihre Leseliste recht lang. "Es ist aber auf jeden Fall auch gut für den Charakter - zu lernen, wie man Preise nicht bekommt“, meint die Schriftstellerin .

Der ver.di-Preis würdigt ihren neuesten Roman „Aller Tage Abend“. Mit einfacher, sensibler Sprachkunst und moralischer Eindringlichkeit schildert die Autorin vielfach gebrochene Lebens- und Sterbensläufe im 20. Jahrhundert. Es geht ihr besonders um die Verflechtung von individueller und Zeit-Geschichte. Nur die Orte sind mit ihrer Familiengeschichte verknüpft. "Da kenne ich mich einfach besser aus." Schreiben ist für Jenny Erpenbeck vor allem eine Form des Nachdenkens. Nur das Kreisen um die eigenen Probleme, "sogenanntes monologisches Schreiben", ist ihre Sache nicht. Es ist ihr wichtig, durch das Schreiben mit der Welt und dem konkreten Leben verbunden zu bleiben. Außerdem aber sei Schreiben „bei allem Ernst auch immer ein Art von Spiel, eine Möglichkeit, alles, was da ist, von verschiedenen Seiten anzuschauen, um mehr zu verstehen". Sprache könne viel mehr als nur Inhalte transportieren. In ihrem neuen Roman wirft Jenny Erpenbeck einen scharfen Blick auf Verzweigungen, an denen sich Grundlegendes entscheidet

Jenny Erpenbeck lebt mit dem 11-jährigen Sohn und ihrem Mann, einem österreichischen Dirigenten mitten in Berlin. „Schreiben kann man glücklicherweise gut als Mutter mit Schulkind.“ Auch schon am nächsten Buch? „Noch zwei Tage Bürokram“, sagt sie, „aber übermorgen fange ich an."

„Aller Tage Abend“, Jenny Erpenbeck

282 Seiten, ISBN978-3-8135-0369-2

Knaus Verlag München, 2012

Foto: Knaus Verlag

 

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