Schätze und Chancen in der Schorfheide

Attraktive Eiszeitlandschaft beschützen, bewahren und  für den Tourismus nutzen

Schorfheide, nationaler Geopark „Eiszeitland am Oderrand“ , Biosphärenreservat Schorfheide - Chorin mit Buchenwald Grumsin sind drei Schlüsselworte für eine faszinierende Landschaft nordöstlich vor den Toren Berlins.  Ausgedehnte Wälder wechseln hier zu weitem Offenland mit  tiefen Senken und markanten Höhenzügen. Das ausgeprägte Relief spiegelt das Geschehen der letzten Eiszeit wider, als Gletscher das Gesicht der Landschaft mit ihren gewaltigen Eismassen überzogen und veränderten. Das Besondere dieser Landschaft entstand durch die gestaltenden Kräfte von Gletschereis, Schmelzwasser und Wind. Die Vielfalt der Landschaftsformen, vereint in einem charakteristischen Ensemble, bildet eine attraktive Eiszeitlandschaft mit dem Grumsin, der 2011 gemeinsam mit anderen deutschen Buchenwäldern (Hainich/ Thüringen, Serrahn und Jasmund/ Mecklenburg-Vorpommern, Kellerwald/ Hessen) als Weltnaturerbe von der UNESCO anerkannt wurde. Sie ist entlang der Chorin-Joachimsthaler Endmoränen im Vergleich zu anderen Eiszeitlandschaften hier besonders modellhaft ausgebildet. Im 19. Jahrhundert wurde hier die Theorie von der „skandinavischen“ Binnenvergletscherung erarbeitet. Als „klassische quartärgeologische Meile“ bezeichnet besitzt die Schorfheide daher eine herausragende geohistorische Bedeutung. Diese landschaftliche Ausgangsvielfalt bildet die Basis für eine große biologische Vielfalt freilebender Pflanzen- und Tierarten. Die Region zählt zu den Gebieten mit der höchsten Artenvielfalt in ganz Deutschland. Seeadler, Schwarzstorch und Kranich sind ornithologische Besonderheiten des Gebiets. Die Rotbauchunke profitiert von den zahlreichen naturnahen Kleingewässern und in den intakten Mooren finden sich noch seltene Pflanzenarten wie Sonnentau und Wollgras.

 

Im ökologischen Landbau liegt die Chance

Diese Vielfalt zu erhalten und für die touristische Nutzung weiter zu erschließen stellt sich als eine schwierige Aufgabe dar. „Brandenburg ist ein Naturland, kein Industrieland und kommt aus Sicht des Naturschutzes von einem hohen Niveau“, sagt Dr. Michael Luthardt, der als Abgeordneter der LINKEN im Brandenburger Landtag darin auch seine politische Verantwortung sieht. „Es müssen Mittel aus dem Wirtschaftsfonds für die Natur zur Verfügung gestellt werden“. Eine große Gefahr sieht der Forstwissenschaftler und engagierte Umweltschützer in der Landwirtschaft, die wieder verstärkt zur intensiven Nutzung unter Einsatz von künstlichem Dünger und Umweltchemikalien übergegangen ist oder mit Förderung der EU vermehrt Mais als Energiepflanze einseitig anbaut. „Der starke Rückgang der Feldlerche oder vergiftete Sölle sind bereits erste Folgen. Unsere Zukunft liegt im ökologischen Landbau mit seinen unbelasteten Produkten für die Region und Berlin.“

 

Verantwortung für einzigartiges Naturphänomen

Im ausschließlich ökologischen Landbau sieht auch Dr. Hartmut Kretschmer, vom  LUGV (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz) und Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin (mit einer halben Stelle), die einzige Chance für die Erhaltung und touristische Erschließung des 590 Hektar großen Weltnaturerbes Grumsin im Kerngebiet der Biosphäre. „Dieser Lebensraum Wald mit seiner einzigartigen spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt gehört zu den größten unzerschnittenen Buchenwäldern weltweit. Als typische, lange ungenutzte Waldlandschaft in Deutschland gehört sie als UNESCO - Welterbestätte und einzigartiges Naturphänomen zum ideellen Besitz der gesamten Menschheit und wir tragen die Verantwortung dafür,“ so Kretschmer. Eine geplante Stromtrasse für 380 Kilovolt, die nur etwa zwei Kilometer am Grumsin vorbeiführt, empfindet er als ein Unding. „Diese Uckermarkleitung von Nord nach Süd sollte ursprünglich unter der Erde verlaufen, fiel dann aber als unterirdische Leitung aus dem gesamtdeutschen Plan.“ Inzwischen engagiert sich eine Bürgerinitiative gegen diese Art Stromautobahn.

 „Mit besserer Ausschilderung und einem ausgebauten Weg, mit thematisch geführten Touren werden wir die touristische Nutzung noch weiter ausbauen. Dafür nutzen wir Mittel aus dem so genannten Mauerfonds für Länderprojekte,“ sagt Kretschmer weiter. „Grumsin-Impressionen und Faszination Moor als geführte Touren gibt es bereits.“ Mit derzeit elf verbliebenen Naturführern von einst 100 in den 90ger Jahren dürfte dies nicht gerade leicht sein. Hier baut er auf die gute Zusammenarbeit mit dem Geopark.

 

Erfahrung Eiszeit im nationalen Geopark

Der nationale Geopark „Eiszeitland am Oderrand“ bietet auch bereits einen Rundweg durch die eiszeitlich geformte Landschaft an. Das Informationszentrum mit der Ausstellung „Erfahrung Eiszeit“ in der historischen Dampfmühle von Groß Ziethen wurde kürzlich eröffnet. Ein nachgebildeter Gletschertunnel inszeniert die Zeitreise zurück in die letzte Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren. „Das Mammutbaby Dima wird als Abguss dargestellt und die Fährtenplatte aus Bottrop mit Spuren eiszeitlicher Tiere im Außenbereich macht neugierig auf mehr Informationen,“ erläutert Christine Nieter vom Amt Joachimsthal, das gesamtverantwortlich für dieses gemeinsame deutsch-polnische Projekt mit 1.671.390,07 Euro zeichnet. „Werkzeuge wie die nachgebildete Speerschleuder und Fertigkeiten, demonstriert am Steinschlägerplatz, ermöglichten dem Menschen sich in dieser Natur zu behaupten. Ergänzt wird die Schau durch die Ausstellung zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin.“ Das Informations- und Besucherzentrum wird noch ausgebaut und der Geopark plant weitere Projekte besonders für Schulen.

 

Naturnah und nachhaltig nutzen

„ Der Dreiklang Schorfheide, Geopark und Biosphäre ist für die touristische Nutzung unserer Region von entscheidender Bedeutung“, betont Sabine Grassow von der WITO (Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft mbH des Barnim ). „Die Zusammenarbeit hat sich zum Vorteil Brandenburgs gut entwickelt, auch wenn sie nicht ausnahmslos konfliktfrei verläuft.“ Naturnah und nachhaltig soll sich der Tourismus entwickeln und dafür nennt sie drei Kernwerte aus dem Marketingplan: naturnah, kultiviert und beruhigend.

Den Schätzen der eiszeitlich geprägten Natur in der Schorfheide bieten sich also durchaus Chancen für die Zukunft.

Eiszeitliche Blockpackung in Sperlingsherberge

Fotos: h.f.

... neben großen Brocken landeten auch kleine Steine im Grumsiner Forst

Biber als Modell in der Eiszeit- Ausstellung Groß Ziethen

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