Sprung in der Schüssel

Schriftsteller griffen zum 12. Berliner Lesemarathon wieder  in ihre Schubladen: Alltagssituationen - humorvoll bis irrwitzig, so  waren die Geschichten zum  Thema   und der Abend damit ein sehr heiterer  in dem mit knapp 20 Besuchern mäßig besetzten Puttensaal der Bibliothek am Luisenbad .

Wie  Slapstick kamen die Ergebnisprotokolle von Stephan Hähnel daher. Sie wurden die Lacher des Abends: Der Toilettenwart,  erdrosselt vom nicht vorgebuchten Kunden mit einlagigem Toilettenpapier -  trocken, mit Noppen, recycelt, aus ökologischem Anbau, reißfest wie ein Damenstrumpf. Oder die Bäckersfrau Edda Plunder, die in weißer Mehlwolke auf der Straße endet, weil sie schreiend vor dem Studenten wegrennt, der ihr sein sich nicht wohl fühlendes und daher total verspanntes Brot im Körbchen mit gehäkelter Decke zurückbringt.

Amüsant auch der im Waschsalon philosophierende Stalker  über die Kunst des Mordens mit Kick. Und das Geschwafel eines mittelschwer angesäuselten Posamentenhändlers  an einem Biertisch im Hessenländchen, der den Nobelpreis für das zukunftsweisende Posamentiergewerbe fordert.

Eine Gorillahorde auf der Golden Gate Bridge, Fürstin Oblomova, eine Katze auf dem Balkongitter, Hybridpflanzen, eine kotende Krähe bis hin zu ausgefransten Briefen … Eine Reihe von absurden Situationen, die sich der Zuhörerin nicht erschlossen. Wozu hatte Marina Krug  gebeten oder war der Sprung ins Abstruse die Absicht?

Es war ein fröhlicher Abend zum Abschluss des 12. Lesemarathons im Pankower Familienzentrum in der Upsaler Straße. Zugegeben hatten Platz und Haus sicher schon sehr viel bessere Tage gesehen, dafür herrschte bis weit in den Abend reges Treiben auf dem Spielplatz und im Haus wurden witzige, skurrile und berührende Geschichten gelesen.

Da gab es die Merkwürdigkeiten vom U(h)rsprung in einem Land ohne Zeitrechnung, in dem Zimmerwände mit Schnürsenkeln vermessen wurden oder den besoffenen Künstler mit abstrusen  Geschichten vom Hahn. Die gebürtige Polin Maria Kolenda las vom heißen Solidarnosc – Sommer 1981, in dem der Sekretärin Norwegerstrick anstelle der geforderten schwarzen Netzstrümpfe zugeteilt wurden.

Aufklärung über SBSA ( Baustein Sex bahnt sich an ) in einer Daily Soap erhielten die geneigten Zuhörer  vom gestressten Regisseur ,  der damit die vermurkste Folge Nummer 2675 wieder quotentauglich schrieb. Voller Humor der Dialog zwischen androgyn lächelndem Teufel und dem Papst gewordenen ratlosen Bauernsohn.  Dann waren da noch die von Männern enttäuschte Frau, die sich mit der aufblasbaren „Puppa“ als Surrogat vergnügte, der als Jesus wieder geborene Wolfgang und die mit Taucherbrille fahrende Simson Suhl - Sozia. Ein Fazit: Selten so herzhaft gelacht!

zurück

zurück