Zwischen den Zeilen – Umweltpolitik und Medien

Es diskutierten:

Helga Frankenstein (Journalistin, ehem. Redaktion „Der Morgen“)
Dr. Harro Hess (Journalist, ehem. Radio DDR II)
Günter Lippmann (Regisseur, DEFA-Studio für Dokumentarfilme)
Hartmut Sommerschuh (ehem. Redaktion Kreisläufe, DDR-Fernsehen)
Dr. Hans Reichelt (ehem. Umweltminister der DDR)

Moderation: Hellmuth Henneberg, (rbb)
 

SERO (Sekundärrohstoff) und Naturschutz stehen hohen Luft – und Wasserbelastungen, hohen Schwefeldioxidbelastungen und Waldsterben infolge der Braunkohlenverbrennung bei der Betrachtung der Umwelt in der DDR nach 20 Jahren in der Bilanz gegenüber.

1968 wurde der Schutz der Natur in der Verfassung verankert. Als zweites Land in Europa nach Schweden erließ die DDR 1970 mit dem Landeskulturgesetz ein Rahmengesetz für Umwelt. Dies ist durch Verordnungen oder ökonomische Instrumente wie dem Staub- und Abgasgeld, dem Abwassergeld oder der Bodennutzungsgebühr erweitert worden. 1971 wurde ein Ministerium für Umwelt und Wasserwirtschaft gegründet.

Mitte der 70ger Jahre setzte vor dem Hintergrund der Ölkrise eine Wende ein. Die Umweltpolitik wurde ökonomischen, außenpolitischen und auch sozialpolitischen Erwägungen untergeordnet. Die einseitige Ausrichtung der Energiewirtschaft auf die heimische minderwertige Braunkohle ab 1979 und die Produktion in technisch überholten Industrieanlagen führten zu hohen Luft – und Wasserbelastungen. 1982 wurde ein Beschluß über die Geheimhaltung von Umweltdaten erlassen.

Eingebunden in diese Zwänge bemühten sich in den 1980ger Jahren viele Journalisten und Publizisten, Umweltthemen dennoch kritisch aufzugreifen. Der Regisseur Günter Lippmann arbeitete seit 1983 an einem Dokumentarfilm über das Waldsterben in der DDR, der aber erst 1990 gezeigt werden konnte. Im August 1989 wurde die Fernsehsendung „Kreisläufe“ abgesetzt. Sie hatte regelmäßig über Gewässereutrophierung, Bodenerosion, Flurmelioration berichtet. Durch die hohe Gewässerverschmutzung erhielten insbesondere im Süden der DDR von 16,6 Millionen Einwohnern 9,6 Millionen zeitweise oder ständig qualitativ beeinträchtigtes Trinkwasser. Die zahlreichen Verdachtsflächen mit Altlasten, die große Zahl wilder Müllkippen und die Folgen des Uranbergbaus in der Wismut waren weitere Probleme.

Seit 1979 verringerte sich aber auch drastisch der Gütertransport auf der Straße, über das SERO-System  wurden Rohstoffe wiederverwertet und im Vergleich der Industrieländer blieb die Siedlungs- und Verkehrsfläche nahezu konstant. In der BRD nahm sie stark bis auf heute 12,7 Prozent der Landesfläche zu. Im internationalen Vergleich hoch war in der DDR der Anteil an Naturschutzflächen.

Und so bleibt die Frage auch nach 20 Jahren, was die DDR auf umweltpolitischem Gebiet vollbracht oder eben nicht vollbracht hat so widersprüchlich und umstritten wie kaum ein anderes Thema.

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